Hier sollen Dinge zum Erscheinungsbild des Kamerunschafes, Detailbeschreibungen verschiedener Körperpartien und allgemeine Zuchtkriterien zusammen getragen werden.

 


 

Zuchtkriterien für Körperform und Körperbau bei Kamerunschafen

 

Die Zuchtkriterien sollen eine Hilfestellung sein, die jeden Kamerunschafzüchter in die Lage versetzt, den Formwert seiner Tiere selbst zu beurteilen. Oberstes Ziel sind gesunde, harmonische und vitale Schafe. Voraussetzung dafür ist ein ausgeglichener Körperbau ohne irgendwelche extremen Übertreibungen, der in seiner Ursprünglichkeit noch dem Aussehen eines Wildschafes ähnlich ist. Als eine noch naturbelassene Rasse darf das Kamerunschaf  sich in den Proportionen keinesfalls solchen Hochleistungsrassen annähern, die auf Fleischgewinnung gezüchtet werden.

 

Nachfolgend die Kriterien, die alle Züchter als ihre Zuchtziele anstreben sollten.

 

Schafe mit unerwünschten Eigenschaften in dem ein oder anderen Merkmal können eingesetzt werden. Solche mit schweren Fehlern sind von der Zucht auszuschließen.

 

Allgemeines Erscheinungsbild

 

Der allgemeine Eindruck und die Erscheinung des Kamerunschafes sollte die eines edlen Tieres sein. Das Schaf sollte wie ein Athlet aussehen mit einer schlanken, glatten Form. Es ist keine reine Fleischrasse und darf daher nicht die tiefe und schwere Bemuskelung oder das Gewicht von Fleischschafrassen aufweisen.

 

Größe:

Die Größe der Kamerunschafe ist unterschiedlich. Bestimmte Exemplare können unterhalb oder oberhalb des durchschnittlichen Größenbereichs sein. Wenn sie ansonsten harmonisch sind, ist dies kein Fehler.

Altböcke:               Widerrist  60-70 cm

Mutterschafe:        Widerrist  58-65 cm

 

Gewicht:

Das Gewicht kann sowohl unterhalb als auch oberhalb des normalen Bereichs variieren, solange die Tiere gesund und harmonisch sind.

Altböcke:                  Körpergewicht  45-60 kg

Mutterschafe:           Körpergewicht  35-50 kg

Der Kopf sollte gut ausgewogen, proportional zum Körper sein und hoch getragen werden, wenn das Schaf aufmerksam ist.

 

Mutterschafe sollen weiblichere und feinere Gesichtszüge haben als die Böcke.

 

Der Hinterkopf von ausgereiften Böcken darf einen gerundeten Buckel hinter der Hornbasis zeigen. Dieser ist ein Teil des äußeren Rahmens eines Bockes und hilft mit, das Gehirn bei Rivalenkämpfen abzupuffern.

 

Junge Lämmer haben typischerweise ein gerades Nasenprofil.

 

Wenn weibliche Tiere erwachsen werden, können sie eine leichte Ramsnase (von der Seite gesehen erhöhter Bereich auf dem Nasenrücken) entwickeln, während andere das gerade Profil behalten.

 

Ausgewachsene Böcke sollten eine leichte bis mäßige Ramsnase zeigen. Zur Deckzeit oder während einer Zunahme von Rivalenkämpfen kann die Ramsnase ausgeprägter sein.

 

Nase und Maul können abhängig von der Grundfarbe und/oder Scheckung unterschiedlich gefärbt sein, das Gleiche gilt für die Schleimhäute.

 

Das Kamerunschaf ist ein Haarschaf mit saisonalem Fellwechsel. Diese Schafe haben zwei Fellschichten: das straffe Deckhaar und das Unterhaar. Das Unterhaar ist im Aussehen und in der Textur wolliger. Diese Unterwolle wächst in der kalten Jahreszeit und wird von selbst abgeworfen, wenn die warme Periode beginnt.

 

In kälteren Gegenden können manche Schafe eine starke Unterwolle entwickeln. Sie sollte aber völlig abgeworfen werden, wenn das Wetter wärmer wird, mit Ausnahme von Lämmern und einigen Jährlingen.

 

Die Fähigkeit der Kamerunschafe, die Unterwolle wachsen zu lassen und wieder abzuwerfen, kann dazu führen, daß sie in manchen Klimagebieten nur unvollständig abgestoßen wird. Ein kompletter Fellwechsel findet normalerweise im Mai, Juni oder frühen Juli statt. Der genaue Zeitpunkt dazu hängt vom Klima ab. Es kommt vor, daß Lämmer und manche Jährlinge bis zum Folgejahr nicht komplett abhaaren.

 

Die Fähigkeit, in natürlicher Weise und komplett abzuhaaren, ist für die Pflegeleichtigkeit wichtig. Ein Fehlen dieses Haarwechsels kann auf unerwünschte genetische Eigenschaften oder auf eine frühere Einkreuzung von Wollschafrassen hinweisen.   

    

 

Detailbeschreibung Kopf

 

Ohren

Die Ohren sollten parallel zum Boden stehen oder in einem nur leicht höheren Winkel. Manchmal ist ein leichter Winkel nach unten zu bemerken, dennoch sollten die Ohren parallel oder höher getragen werden, wenn das Tier aufmerksam ist.

Neugeborene Lämmer können hängende Ohren zeigen, besonders solche aus Mehrlingsgeburten, dennoch sollten sich die Ohren innerhalb einiger Tage aufrichten. Andererseits dürfen die Ohren nicht schlapp herunterhängen. Solche Ohren können auf Einkreuzungen im Hintergrund des Schafes hindeuten. Natürlich vorkommende Hängeohren (nicht durch Verletzungen oder andere Ursachen entstanden) sind ein schwerer Fehler.

Die Ohren sollten in einer leichten Spitze auslaufen und nicht vollkommen abgerundet sein. Kleinohrigkeit (weniger als 7 cm) oder Ohrlosigkeit ist unakzeptabel. Normale Ohren können in der Länge variieren und sind generell 7 – 10 cm lang.

Augen

Die Augen sollten klar und lebhaft sein und frei von genetischen Liddefekten wie z.B. Entropium. Die Farbe der Augen variiert von dunkel braun, goldbraun zu orangebraun, bei manchen Scheckungen ist auch blau möglich.

 

 

Schneidezähne

Die Schneidezähne sollten auf der Kauplatte aufsitzen. Eine deutliche Lücke zwischen den Schneidezähnen und der Kauplatte ist ein schwerer Fehler.

Die Schafe sollten weder einen extremen Überbiss noch einen Unterbiss haben.

 

Das Alter eines Schafes kann mit einem Blick auf die Schneidezähne abgeschätzt werden.

Hörner

Alle Böcke müssen Hörner haben. Die Auen sind hornlos. Hornlose Böcke sind rasseuntypisch und sind von der Zucht auszuschließen.

 

Im allgemeinen sind weit stehende Hörner mit viel Raum zum Gesicht ( möglichst handbreit groß ) vor eng stehenden Hörnern, die nahe zum Gesicht wachsen oder es sogar berühren, zu bevorzugen. Böcke mit einwachsenden Hörnern müssen ausgeschlossen werden.

Die Hornform soll sichelförmig sein. Böcke entwickeln mit zunehmenden Alter nach außen drehende Hornenden. Ausgeprägte Schneckenbildung ist rasseuntypisch und ein schwerer Fehler.

 

Die Länge der Hörner ist abhängig vom Alter des Bockes sowie von seiner Veranlagung, Ernährung und Gesundheit. Die Wachstumsrate der Hörner ist ebenso von diesen Faktoren abhängig. Das Hornwachstum stagniert normalerweise im Spätwinter/Frühjahr (es sei denn bei sehr guter Fütterung), ansonsten wächst das Horn bei jungen Böcken um ca. 2 cm pro Monat in den ersten beiden Jahren. Einige Böcke scheinen einen guten Start mit schnell wachsenden Hörnern zu haben, während andere langsamer wachsen, aber mit der Reife noch zulegen. Die Hornbasis kann unterschiedlich dick sein.

Die Hörner können je nach der Farbe des Bockes hell, dunkel oder zweifarbig sein. Bei älteren Böcken sind dunkle oder zweifarbige Hörner häufig ausgeblichen.

 

 

Allgemeines Schaubild
Allgemeines Schaubild

 

Detailbeschreibung Rumpf

 

Hals

Der Hals sollte harmonisch vom Kopf bis in die Schultern führen und stolz gehalten werden, wenn das Schaf aufmerksam ist.

Der Hals des Mutterschafes sollte graziös sein und in der Länge zu ihrem Körperbau passen.

Der Hals des Bockes sollte sowohl in der Erscheinung als auch beim Abtasten dicker und muskulöser sein als bei einem Mutterschaf. Im Herbst und Winter tragen die Böcke eine Mähne, die den Hals noch viel massiger erscheinen lässt.

 

 

Mähne 

Geschlechtsreife Böcke zeigen im Winter eine ausgeprägte Mähne, die während des Sommers meist komplett abgeworfen wird. Die Mähne kann unterschiedlich lang sein, einige reichen im Winterfell fast bis zum Boden. Andere können viel kürzer und nur ein paar Zentimeter lang sein. Ein Bock ohne Mähne ist ein zuchtausschließender Fehler.

 

Schultern und Widerrist

Die Schultern sollten proportional zur Größe des Schafes entwickelt und bemuskelt sein. Sie sollten gut in den Brustkorb übergehen.

 

Der Widerrist (Gegend zwischen den Schulterblättern entlang des Rückgrats) kann erhöht sein. Böcke zeigen einen ausgeprägteren und mehr erhobenen Widerrist. Einige Schafe können auch völlig gerade Rückenlinien haben mit keiner sichtbaren Erhöhung am Widerrist.

Brust

Die Brustweite der meisten Kamerunschafe ist schmal bis mäßig mit einem athletischen Eindruck, proportional zur Größe des Schafes.

Die Breite der Hinterfront des Schafes sollte nicht kleiner sein als die der Vorderfront, um Lammungen zu erleichtern.

 

Rücken

Mit einem fließenden Übergang vom geraden oder erhöhten Widerrist sollte der Rücken stark ausgebildet sein und gerade verlaufen. In der Breite soll der Rücken einen schlanken, geschmeidigen und athletischen Eindruck machen. Der Rücken ist gut proportioniert zur Größe des Schafes und ist normalerweise nicht länger als die Höhe.

 

Rippen und Bauch

Die Rippen sollen gut gewölbt sein. Der Bauch soll für Mehrlingsgeburten geeignet sein und proportional zur Größe. Manche Schafe sind schlanker und eher für Einligsgeburten gebaut.

Die Bauchlinie sollte weder an der Vorder- noch an der Hinterflanke eingezogen sein.

 

Kruppe

Vom Rücken ausgehend sollte die Kruppe einen leichten Abfall zum Schwanzansatz aufweisen. Größe und Bemuskelung der Kruppe sind proportional zur Größe des Schafes.

 

Rumpftiefe

Die Rumpftiefe ist die Verbindung vom Schwanzansatz bis zum Schritt, wo die Innenseiten der Oberschenkel sich treffen. Mit diesem Maß können besonders reine Fleischschafrassen bewertet werden. Sie zeigen die Tiefe der Bemuskelung in dieser Region.

Das Kamerunschaf neigt zu einer minimalen bis mäßigen Rumpftiefe. Die Rumpftiefe sollte proportional zur Größe und zum Rahmen des Schafes sein.

 

Schwanz

Die Schwanzlänge variiert. Kürzere Schwänze werden bevorzugt. Der Schwanz sollte nicht ganz rund, sondern eher leicht abgeflacht sein.

Ein Schwanz, der bis zum Sprunggelenk reicht, ist fehlerhaft. Ein Schwanz, der über das Sprunggelenk hinaus reicht, ist rasseuntypisch und ein schwerer Fehler.

Euter

 

Das Euter des Mutterschafes sollte gut proportioniert und relativ symmetrisch sein und nur 2 Zitzen haben. Ein Mutterschaf mit mehr als 2 Zitzen ist ein Fehler. Die Zitzen sollten frei sein von offensichtlichen Defekten, die die Funktion beeinträchtigen

 

Hodensack

 

Beide Hoden sollten gleichmäßig und symmetrisch sein, frei von offensichtlichen Deformationen. Die Hoden sollten von guter Größe sein und der Hodensack selbst ebenfalls frei von offensichtlichen Deformationen.

Detailbeschreibung Läufe

 

Oberschenkel

Die Oberschenkel sollten gut entwickelt sein und in den Proportionen zur Größe des Schafes passen. Kamerunschafe zeigen nicht die Tiefe und schwere Bemuskelung solcher Rassen, die hauptsächlich auf schnelle Zunahme und ein hohes Gewicht in frühem Alter gezüchtet werden.

 

Läufe

Die Läufe sollen kräftig und proportional zur Größe des Schafes sein. Sie haben lange athletische Läufe, die normalerweise länger sind als der Körper von der Bauch- zur Rückenlinie hoch ist.

Böcke haben meist dickere Läufe als Mutterschafe.

Die Läufe sollten eine korrekte Stellung haben. Die Vorderläufe sollten nicht x-beinig oder o-beinig, sondern völlig gerade sein. Die Hinterläufe sollten nicht kuhhessig, sichelbeinig oder stuhlbeinig sein. Sowohl bei den Vorder- als auch bei den Hinterläufen sollten die Fesseln nicht zu stark nach innen oder nach außen gedreht sein. Die Fesselgelenke sollten nicht durchtreten, sondern stark und korrekt sein. 

Ein fester Stand auf allen vier Läufen ist erwünscht, wobei die Läufe auf gerader Linie mit dem Körper des Schafes stehen sollten.

 

Klauen

Die Klauen sollten gut geformt sein und frei von Deformationen oder Krankheiten.

 

Die Klauen der Kamerunschafe können hell sein, dunkel oder zweifarbig, je nach der Farbe des Schafes.

Schlußbemerkungen

 

Kamerunschafe sind eine natürlich abhaarende Rasse mit einem Fell wie ein Wildschaf. Alle Böcke müssen Hörner haben. Die Auen sollen hornlos sein. Die Schafe müssen reinrassig sein und dürfen keine Blutanteile von Dorper, Nolana, Blackbelly etc. enthalten.

Wichtige Merkmale:

              Böcke sind gehörnt

              komplette Abhaarung, Anzeichen von Wolle sind ein Fehler  

 

Fehler

              Hörner, die das Gesicht berühren

              zusätzliche Zitzen bei Auen

              leichter Unter- oder Überbiß

              Schafe, die nicht völlig abhaaren und solche mit etwas Wollbildung

              ausgewachsene Böcke, die keine Mähne entwickeln

              Schwänze, die bis zum Sprunggelenk reichen

 

Schwere Fehler

              Einkreuzungen anderer Rassen

              hornlose Böcke oder Einwachser

              gehörnte Auen

              Schwänze über das Sprunggelenk hinaus

              kupierte Schwänze

              Hermaphroditismus

              Einhodigkeit oder keine äußerlich sichtbaren Hoden bei Böcken

              deutlicher Unter- oder Überbiß

              Entropium (nach innen gewachsene Augenlider) oder andere genetisch bedingte Augendefekte

              Hängeohren bei adulten Schafen

              starke Wollbildung

 

 

Autoren: A.S./D.S.

 

Quelle: auszugsweise aus United Horned Sheep Association (UHHSA), Breed Standards (Painted Desert Sheep)